18.6.10

Endloser Spaß

Ein kurzer Spaziergang vor Sonnenuntergang kann hier zu einer schweißtreibenden Angelegenheit werden. Im Bereich südlich des Bellagio reihen sich kleine Souvenirläden aneinander. Wenn man auf dem Weg Richtung MGM das Reich der Kartenklapperer (dazu nächstes Mal mehr) hinter sich gelassen hat, erreicht man einen Abschnitt der von Phantasiefiguren jeder Art bevölkert wird.

Ein paar Dollar und schon hat man sich eine exklusives Foto mit Elvis, Wonder Woman oder Spiderman gesichert. Die Auswahl ist so breit wie fragwürdig. Ist der Kerl mit dem grellroten Geschwür am Hals jetzt verkleidet oder einfach nur sehr krank? Ist ein Foto mit dem zwergwüchsigen Elvis, der sich „Tiny Elvis“ nennt, jetzt witzig oder recht geschmacklos?

Der Spaß bei 50 Grad in der Sonne scheint auf jeden Fall etwas bemüht. Als dann Freddy Krüger in die Menge ruft „Come, take a foto! I got to eat too!“ hat der Tag endgültig einen originalen Vegas-Touch – draußen heiß und innen kalt.

8.6.10

Mister X


Wo versteckt man am besten einen Pokerspieler?

Generell würde ich sagen in einem Sack, einem Keller mit Internetanschluss oder im nächstbesten Stripclub – alles praktikable Antworten. Hier bei der WSOP jedoch ist es wesentlich einfacher:

Unter anderen Pokerspielern!

Wenn man im Rio durch die Gänge schlendert ist eine Frage allgegenwärtig - „Wo sitzt denn jetzt der xyz?“. Meistens wird erwidert: „Keine Ahnung, spielt der schon?“, „Wurde gerade umgesetzt!“, „Ist geplatzt!“ oder „Wurde von Aliens entführt“.

Der große Mister X für heute ist Sebastian Ruthenberg. Eine ganze Schwadron von Pokerjournalisten aus Deutschland ist seit Stunden auf der Suche nach der Luckbox. Gerüchtehalber wurde er schon mal an einem „6-Max“ Tisch gesehen, bestätigen kann das keiner. Mister X verwischt seine Spuren halt sehr effizient.

Die Schar der Pokerschreiberlinge wird wohl warten müssen, bis sich Sebastian zum Final Table meldet…

6.6.10

Leben auf dem Mars


Irgendwo in Russland werden zurzeit ein paar Freiwillige 500 Tage eingesperrt, um eine Reise zum Mars zu simulieren. Ein spannendes und leider völlig überflüssiges Experiment. Ein Aufenthalt in Vegas reicht absolut.

In den ständig dämmrigen Casinos, den Hotelzimmern mit ewig trostloser Aussicht auf Parkplätze und Industriegelände, den endlosen Gängen und der lebensfeindlichen Außenwelt, existiert man bereits seit Jahrzehnten wie auf einem fremden Planeten. Hier ist nichts, wie es in natürlicher Umgebung sein sollte. Angefangen mit dem Essen, das neben Magenkrämpfen auf das Gewicht eines Sumoringers abzielt, dem ständigen Gedröhne der Spielautomaten, das in der Tat größere Renovierungsarbeiten mit Presslufthammer und Kreissäge übertönen kann, bis hin zum allgegenwärtigen freundlichen „how are you“ – ein Angriff von Aliens würde nicht weiter ins Gewicht fallen.

Ich treibe also im Raumschiff „Vegas 2010“ in einer unbestimmbaren Umlaufbahn durch die Peripherie des Erfassbaren und amüsiere mich prächtig.

Captain Ralph – over and out!

1.6.10

Angekommen

Wie alt muss eine Stewardess eigentlich sein, um bei United arbeiten zu dürfen? Auf meinem Flug war den Damen mit 50 auf jeden Fall geschmeichelt. In den leicht unwirklichen Momenten, zwischen Turbulenzen und „nicht schlafen können“, kam mir während des Boardservices immer ein leichtes „Twilight Zone“ Gefühl – werde ich für immer in diesem unbequemen Sitz hocken und Mini Prezels essen oder zumindest so lange bis auch ich dieses biblische Alter erreicht habe?

Aber egal, irgendwann nach 22 Stunden hatte ich schließlich doch noch mein Hotelzimmer in Beschlag genommen. Für die ersten zwei Wochen bin ich im Stratosphere einquartiert. Das ist dieser Riesenturm, der genau zwischen neuem Strip und altem Downtown gelegen ist. Eine merkwürdige Gegend, wenn man sich bei 40 Grad vor die Tür traut. Die Amis haben es halt nicht so mit öffentlicher Stadtplanung und –pflege. Deswegen hat es da draußen den Charme einer heruntergekommenen Ecke in irgendeinem dritte Welt Land. Weiter südlich, wo die großen und teuren Casinos aneinandergereiht sind, sieht es dann besser aus. Das Straßenbild ist halt sehr der Privatwirtschaft überlassen.

Morgen geht es dann Richtung Rio, meinen Presseausweis in Empfang nehmen und viele alte Bekannte treffen.

Tag 1 von 32 – check.